Jahresgrüße 2017

Liebe Bamiyanfreunde,
ich möchte mich bei allen Mitgliedern unseres kleinen Vereines für die Unterstützung unseres Anliegens, den Kindern in der Region Bamiyan Bildung zu ermöglichen, herzlich bedanken.
Besonders bedanken möchte ich mich für aufopferungsvolle Mitarbeit im vergangenen Jahr bei Herrn Joachim Zureich, Herrn Gerd Schindelmann, Herrn Hans Albert, Frau Marlene Trimbach und Frau Uschi Kriener, ohne die unsere Arbeit nicht möglich gewesen wäre.
Leider ist das Spendenaufkommen für unseren Verein zurückgegangen, allerdings reicht es für die Entlohnung der Lehrkräfte.
Meine neue Anschrift lautet in Zukunft:
Heiligenstieg 13, 37627 Stadtoldendorf
Trotz dieser räumlichen Trennung werde ich natürlich immer für
die Anliegen unserer Mitglieder in Unterfranken da sein.
Da ich auch öfter in Oberpleichfeld verweile, bin ich sicher, dass
ich zumindest einige unserer Freunde hin und wieder sehen werde.
Leider ist die Situation in Afghanistan alles andere als erfreulich. Auch der Norden des Landes ist inzwischen unsicher geworden. Die Region Bamiyan, in der unsere Schule steht, ist von dieser Entwicklung nicht betroffen. Ich hoffe, dass dies auch so bleibt und unser Projekt weiter seiner Aufgabe, die Zukunft der Mädchen und Jungen zu verbessern, nachgehen kann.
Ich wünsche Ihnen allen ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2018 und dass alle Ihre Wünsche in Erfüllung gehen mögen.
Zahra Hussain

 

 

Afghanistanreise Mai/Juni 2016

Liebe Bamyanfreunde,
ich bin nun schon wieder einige Zeit aus Afghanistan zurück und möchte darüber berichten.
Nach meiner Ankunft in Afghanistan übernachtete ich in Kabul. Da alle Flüge nach Bamyan ausgebucht waren, nutzte ich die gefährlichere Busfahrt.
Es ging auf guter neu gebauter Straße in Richtung Bamyan in die Berge. Vorbei an Dörfern, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein schien. Durch herrliche Gebirgslandschaft und wüstenartiges Gelände. Nach dem Erreichen der Grenze der Provinz Bamyan wurde die Straße schlagartig schlechter – ein Hinweis auf die geringen Geldmittel, die diese Provinz aus Kabul erreichen.

Nach der Ankunft am Abend in Bamyan ging es erst einmal darum, eine Unterkunft für die erste Nacht zu finden. Es gibt dort inzwischen auch ein Luxushotel mit Übernachtungspreisen für über 100 US-Dollar für eine Nacht. Dies hätte aber mein Budget gesprengt. Also suchte ich mir ein Zimmer für eine Nacht. Am nächsten Tag fand ich eine Wohnung für mich und Frozan, die etwa eine Woche später nachkommen würde. Nachdem Frozan eingetroffen war, fuhren wir nach nach Qula Quesch, um die Schule zu besuchen. Die Fahrt nach Qula Quesch war wie immer beschwerlich und wir benötigten mit dem Allrad-Kleinbus für die Reise einen ganzen Tag. Wir unterhielten uns in Qula Quesch mit den Lehrern, Schülerinnen und Schülern und natürlich auch den Bewohnern über die Probleme der Schule und auch des Ortes. Wir brachten den Kindern Hefte und Stifte mit, was bei den knappen finanziellen Möglichkeiten der Menschen in Qula Quesch freudig aufgenommen wurde. Es bedurfte einiger Geduld, den Menschen vor Ort klar zu machen, dass unser kleiner Verein nicht alle Wünsche erfüllen kann. Die Schule fanden wir in gutem Zustand vor, allerdings mussten bereits einige Ausbesserungsarbeiten erledigt werden, denn die Bauqualität entspricht leider nicht dem in Deutschland gewohntem Standard und auch eine Gewährleistung der Baufirma gibt es dort nicht. Alles in allem verlief der Aufenthalt harmonisch und auch zu unserer Zufriedenheit.

Nach Rückkehr nach Bamyan-Stadt vergaben wir den Auftrag zur Instandsetzung an eine dortige Firma. Bei einem zweiten Aufenthalt in Qula Quesch konnten wir uns davon überzeugen, dass die Arbeiten zum Teil bereits erledigt waren bzw. kurz der Fertigstellung standen. In Qula Quesch übernachteten wir bei uns schon von früher bekannten Einheimischen.
Nach der Rückkehr nach Bamyan-Stadt erlaubten wr uns einen touristischen Abstecher zu den Band-I-Amir Seen, dem einzigen Nationalpark Afghanistans. Hier ein Auszug aus Wikipedia: Die Band-e-Amir-Seenkette (von persisch بند امیر, DMG    Band-e Amīr, ‚Stausee des Befehlshabers‘[3]) liegt in der Provinz Bamiyan am Hindukusch in Afghanistan und besteht aus sechs Seen, die ähnlich den Plitvicer Seen durch natürlich entstandene Travertindämme aufgestaut sind. Seit 2009 sind sie als erster Nationalpark Afghanistans ausgewiesen. Die Region ist eine wellige Hochebene auf etwa 3000 m, die vom Canyon der Seen eingeschnitten wird. Einige umgebende Berge reichen bis 3700 m. Im Gebiet um die Seen herrscht ein durch die Höhe besonders extremes Kontinentalklima.[5] Von November bis März ist durchgehend Frost zu beobachten.
Von Bamyan-Stadt führt eine gute neu gebaute Straße nach Band-I-Amir.
Zurück in Bamyan-Stadt besprachen wir mit wichtigen regionalen Personen die Weiterentwicklung der Region und natürlich auch von Qula Quesch und unserer Schule. Wir bekamen grünes Licht für die Erstellung einer kleinen Wasserkraftanlage für die Stromversorgung von Qula Quesch und unserer Schule. Natürlich besuchten wir auch Bekannte in der Stadt und unternahmen kleine Ausflüge in die Umgebung.
Von Bamyan ging es nach kurzem Aufenthalt in Kabul via Istanbul zurück nach Stuttgart.
Die wirtschaftliche Situation in ganz Afghanistan hat sich sehr verschlechtert, besonders sehe ich dies in der Provinz Bamyan, einer der ärmsten des Landes. Die Menschen sehen keine Perspektive für ihre Zukunft. Die Gebildeten und inzwischen auch der Mittelstand sehen ihre Zukunft nicht mehr in Afghanistan. Die Schuld daran hat meiner Ansicht die katastrophale Wirtschaftspolitik der Regierung Ghani, die bekannter
weise unter äußerst fragwürdigen Umständen nach einer Wahl, die nach Ansicht der meisten Menschen, die ich dort traf, nicht korrekt abgelaufen ist, zustande gekommen ist. Ghani setzt die Bevorzugung seiner Ethnie noch stärker als Karzai durch und gefährdet damit den Frieden oder sogar den  Zusammenhalt des Landes. Der Staatshaushalt Afghanistans wird zum Großteil vom Ausland finanziert, hier fehlen nun die Gelder, die die ausländischen Truppen vor dem Abzug des größten Teils von Ihnen, im Land gelassen haben. Der Verteilungskampf wird härter und die Verlierer sind wie so oft die schwächsten, zu denen wieder einmal die Provinz Bamyan und die Bevölkerung, die überwiegend aus den sowieso schon in der Vergangenheit so gebeutelten Hazaras besteht. Hinzu kommt, dass die Zufahrtswege in diese Provinz nicht sicher sind und dies eine wirtschaftliche Entwicklung sehr erschwert. In der Provinz  Bamyan ist es nach wie vor ruhig und friedlich. Der Bildungsstand eines großen Teils der Bevölkerung hat sich gebessert, so dass sich viele Bewohner ihrer Situation bewusst sind. Allerdings hat sich die Situation der Möglichkeit für Bildung seit dem Zustandekommen der Regierung Ghani wieder verschlechtert – es sind zum Beispiel kaum noch Gelder für die Anschaffung von Schulbüchern vorgesehen. Zur wirtschaftlichen Situation siehe auch weiter unten.
Hier noch etwas Hintergrundwissen:
Durch die von dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani betriebene Politik des freien Handels (auch weltweit), sinken die Preise für landwirtschaftliche Produkte in Afghanistan. Die Bauern in Afghanistan können aufgrund der schlechten klimatischen Bedingungen trotz der dort üblichen geringen Löhne mit den Preisen, die der Weltmarkt diktiert, nicht mithalten.
Durch die von Ghani verfolgte Politik der totalen Deregulierung werden die lokalen Anbieter und Hersteller (auch die dort ansässigen kleinen mehr handwerklichen Produktionsbetriebe) aus dem Markt katapultiert. Der Markt wird von industriell hergestellten zum Teil von den Herstellerländern subventionierten landwirtschaftlichen Produkten überschwemmt. Genauso verdrängen industriell hergestellte Billigwaren (überwiegend aus China) die der heimischen Hersteller. Das Ergebnis sind Hungerlöhne und Kinderarbeit, die von der Regierung Ghani nicht bekämpft oder sogar geduldet werden. Die Menschen sehen keine Perspektive und versuchen entweder das Land, vorzugsweise in Richtung Europa,  zu verlassen oder schließen sich vermeintlichen Heilsbringern, wie zum Beispiel den Taliban an, die eine bessere Zukunft versprechen.

Während unsere Aufenthaltes fanden große Demonstrationen von Hazaras (aus der Provinz Bamyan) gegen eine Planänderung von TUTAP statt (siehe: http://thediplomat.com/2016/05/tutap-energy-project-sparks-political-infighting-in-afghanistan).
Dies betrifft eine Energieleitung von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan. Der Vertrag über diese Leitung wurde von dem früheren Präsidenten Karzai unterzeichnet und diese Leitung sollte über Bamyan verlaufen. Die Bewohner dieser Provinz (eine der ärmsten Afghanistans – nicht zuletzt durch jahrzehntelange Diskriminierung) hatten sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung versprochen. Auf Anordnung von Ghani soll nun dieser Plan dahingehend geändert werden, dass diese Leitung nicht mehr durch Bamyan, sondern durch die Heimat von Ghani führen soll. Mit Hilfe dieser Energieleitung hätte die Möglichkeit bestanden, die in der Provinz Bamyan reichlichen Vorkommen von verschiedenen Erzen auszubeuten und damit dieser Provinz einen Aufschwung zu bescheren. Da die Ethnie der Hazara bevorzugt von der Ethnie der Paschtunen, der auch Ghani angehört, bekämpft und diskriminiert wird, fällt es leicht, sich in die Gedankengänge der meisten Menschen in der Provinz Bamyan hineinzuversetzen.

Interview mit einer Studentin

Eine Studentin fragte über die Website unseres Vereines um ein schriftliches Interview wegen ihrer Abschlussarbeit im Ethnologie und Journalismus-Seminar an.
Ich möchte Ihnen dies nicht vorenthalten. Deshalb hier das Interview im Original:

In welchen Gebiet leben die Hazara?

Die Ethnie der Hazara lebt überwiegend im Hazarajat, das überwiegend die Provinz Bamiyan und andere Gebiete umfaßt. Durch die Fluchtbewegungen der jüngeren Vergangenheit leben inzwischen viele Hazara auch in Pakistan, Iran, aber auch in Europa, Australien und Kanada.

Was bedeutet es, Hazara zu sein?

Hazara zu sein bedeutet das Gefühl zu haben, im Staat Afghanistan (das bedeutet – Land der Paschtunen) unerwünscht zu sein. Dies erfährt mal als Hazara außerhalb des Siedlungsgebietes der Hazara fast überall, besonders in paschutunsichen Siedungsgebieten, wo man nicht ohne Gefahr für Leib und Leben kleinere Orte besuchen kann. In größeren Städten ist dies nicht so ausgeprägt, allerdings sollte man durch eine Ghettobildung innerhalb der Städte bestimmte Stadtteile nicht besuchen (No go areas).

Wie ist die Stellung der Frau bei den Hazaras?

Die Stellung der Frau ist wie allgemein im islamischen Kulturkreis traditionell hauptsächlich auf den familiären Umkreis beschränkt. Allerdings ist die Stellung der Frau in der hazarischen schiitischen Umgebung freier als im restlichen Afghanistan, besonders im Vergleich zu den paschtunischen Siedlungsgebieten.
Eine Vollverschleierung (Burka) ist traditionell bei den Hazaras unüblich.
Allerdings gibt es auch hier große Unterschiede zwischen den städtischen und ländlichen Siedlungsgebieten und den einzelnen Familien.

Welche beruflichen Möglichkeiten haben die Hazara?

Grundsätzlich stehen den Hazara alle Möglichkeiten offen. Es gibt einige wenige herausragende Persönlichkeiten der Ethnie der Hazara. Insgesamt sind gebildete Hazara nicht gerne gesehen. Auch sind die Berufsaussichten für gebildete Hazara schlechter als für die anderen Ethnien – dies durch eine mehr oder weniger subtile Art der Diskriminierung.
Durch eine schlechtere Versorgung mit Schulen sowie Lehr- und Lernmaterial in der Provinz Bamiyan ist die Bildung eine Großteils der dortigen Bevölkerung geringer als im restlichen Afghanistan und somit bleiben die beruflichen Möglichkeiten oft auf Tätigkeiten in der Landwirtschaft und im einfachen Umfeld beschränkt. Andererseits hat die Zahl der Schulabgänger und die Zahl der Studenten aus dem Hazarajat überdurchschnittlich zugenommen, was darauf hinweist, wie wichtig die Bevölkerung aus diesem Gebiet das Thema Bildung nimmt.

Was wollten Sie als Kind werden?

Ich wuchs in einer Familie eines gewalttägen Vaters, der mit drei Frauen verheiretet war und mit 13 Geschwistern auf.
Als Mädchen war für mich der Weg als Ehefrau und Mutter vorgezeichnet. Ein Schulbesuch war mir untersagt. Lesen und Schreiben lernte ich autodidaktisch, brachte es mir also selbst gegen den Widerstand meiner Eltern bei.

Was haben Ihre Eltern gemacht?

Mein Vater war Weber und Landwirt, machte aber auch Geschäfte durch An- und Verkauf von Grundstücken. Meine Mutter war Hausfrau.
Beide Elternteile konnten weder lesen noch schreiben.

Was hat Sie in die Flucht getrieben?

Ich wurde von meiner Familie mit einem ungeliebten Mann zwangsverheiratet. Mit diesem hatte ich vier Kinder. Uns ging es finanziell schlecht. Mein Mann war gewalttätig, was das Leben in der Familie zur Hölle machte.
Dazu kamen der Krieg und der Bürgerkrieg in den 90er Jahren, in dem ich viele schreckliche Dinge erleben musste. Bei mir wurde außerdem eine Krebserkrankung diagnostiziert, was sich später als unzutreffend herausstellte.
Um diesen Verhältnissen zu entgehen, flüchtete ich mit drei Kindern nach Deutschland. Einen Sohn mußte ich leider zurücklassen.

Wie haben Sie vor Ihrer Flucht gelebt?

Siehe oben

Mit welchen Hoffnungen sind Sie geflohen?

Ich hoffte auf bessere Lebensbedingungen für mich und meine Kinder sowie eine Trennung von meinem ungeliebten gewalttägigen Mann und auf eine Heilung der bei mir unzutreffenderweise festgestellten Krebserkrankung.

Was unterscheidet Hazara von den anderen?

Hazara unterscheiden sich von den anderen Ethnien durch das andersartige Aussehen (andere Form der Augen und allgemein „asiatische Gesichtszüge“ sowie durch die schiitische Form des Islam gegenüber der sunnitischen Glaubensrichtung der anderen Ethnien. Viele Hazara haben durch die jahrhundertelange Diskriminierung und Unterdrückung auch das Gefühl einer Minderwertigkeit. Dieses Gefühl löst sich inzwischen langsam auf.

Wie wirkt sich die (politische) Diskriminierung auf die Hazara aus?

Die Hazara haben durch diese Diskriminierung weniger Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Auch sind Reisen überland oft nicht möglich bzw. gefährlich, was in Gebieten, die von den Taliban kontrollliert werden, dazu führt, daß gezielt Hazara aus den Fahrzeugen geholt und gefoltert oder/und getötet werden.
Dadurch ergibt sich bei vielen Hazara ein Angstgefühl, daß das ganze Leben beeinflußt.

Sind andere Minderheiten genau so diskriminiert?

Nicht in dem Maße wie die Hazara.

Wie sehen die Taliban die Hazara?

Die Taliban sehen die Hazara durch die abweichende schiitische Glaubensrichtung als ungläubige, schlimmer noch als vom wahren Glauben abgefallene, die es zu vernichten gilt. Auch das andere (asiatische) Äußere trägt hierzu bei.
Hierzu der Ausspruch „ Tadschiken nach Tatschikistan, Usbeken nach Usbekisten, Hazaras nach Gorestan (Friedhof)!

Wie denken die Hazaras über die Paschtunen?

Durch die historische Vergangenheit bedingt (Verdrängung des Hazara in die unwirtlichen Berge, immer wieder Übergriffe durch die nomadisierenden paschtunischen Kotschi und die Legalisierung dieser Übergriffe durch die Regierung in Kabul, Ermordung vieler Hazara durch die afghansichen/paschtunischen Könige) sowie die alltägliche Diskrminerung bzw. die täglichen Übergriffe ergibt sich logischerweise eine Mischung aus Angst und Haß. Allerdings gibt es auch persönlichen eher seltene Freundschaften.

Wie denken die Paschtunen über die Hazara?

Da sollten Sie die Paschtunen fragen. Meines Wissens gelten die Hazara als ungläubig und unwissend.

Können Paschtunen und Hazara zusammenleben?

Gebildete vorurteilsfreie Paschtunen und Hazara können sicher zusammenleben.
Ein vernünftiges Zusammenleben der beiden Ethnien bedarf wahrscheinlich einer gewissen Zeitspanne ohne gegenseitige Diskriminierung und Übergriffe, um ein Vergessen oder Verdrängen in den Menschen zu bedingen.

Kann man interethnisch heiraten?

Dies ist möglich, aber wird nicht gerne gesehen.
Ehen zwischen Hazara und Paschtunen sind extrem selten.

Wieso weiß man sowenig über die Hazara?

Hazara haben weltweit keine Lobby.
Informationen über die Hazara werden von der afghanischen Regierung zurückgehalten bzw. unterdrückt.
Erst in der neueren Zeit wird dieses Thema einer größeren Öffentlichkeit bedingt durch die weltweite Fluchtbewegung bewußt.

Zahra Hussain besucht die Schule

Liebe Bamiyanfreunde,
ich fliege heute den 07.05.2016 wieder einmal nach Afghanistan. Die Rückkehr ist für den 03.06.2016 geplant.
Aufgrund der derzeitigen Lage in Afghanistan reise ich mit gemischten Gefühlen, aber von Zeit zu Zeit ist ein Besuch unserer Schule unumgänglich.
Ich werde in Qula Quesch unsere Schule besuchen und bei dieser Gelegenheit auch mit den Bewohnern des Ortes und den Lehrern sprechen. Ich werde Schulmaterial wie Hefte und Stifte einkaufen und diese an die Schülerinnen und Schüler der Schule verteilen, da der Erwerb für viele Familien ein finanzieller Kraftakt oder gar nicht möglich ist. Ich werde mit den Einwohnern von
Qula Quesch die Situation der Schule, die Wünsche der Lehrer und Einwohner besprechen und bei Problemen mögliche Lösungsvorschläge  zu erarbeiten versuchen. Wünsche der Lehrkräfte für eine weitere Ausstattung der Schule mit Lehrbüchern sowie Lehr- und Lernmaterial werde ich versuchen zu erfüllen.
Auch über Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in Qula Quesch werden wir reden, auch wenn die Möglichkeiten unseres kleinen Vereines da eher bescheiden sind.
Auch den Zustand der Schule und auch weitere Dinge werde ich 
fotografisch dokumentieren und nach meiner Rückkehr  über unser Schulprojekt und auch über die Lage sowohl im Bereich Bamiyan als auch Afghanistan im allgemeinen berichten.
Ich bin neugierig, von den Menschen vor Ort ungefiltert über die aktuelle Lage sowohl in wirtschaftlichen, als auch in den gesellschaftlichen, politischen Bereiche informiert zu werden. Besonders wichtig ist mir, wie die Menschen die reale und gefühlte Sicherheitslage beurteilen. Ich werden nach meiner Rückkehr auch hierüber berichten.
Zahra Hussain

Kalter Empfang für afghanische Flüchtlinge

Eine Veröffentlichung der Heinrich-Böll-Stiftung

Kalter Empfang für afghanische Flüchtlinge

von
Kavitha Surana und Thalia BeatyEine Unterkunft in Baden-Württemberg. Urheber: Kavitha Surana und Thalia Beaty. All rights reserved.

Weil viel Geld nach Afghanistan geflossen ist, sollen die Menschen jetzt auch dort bleiben – erwartet Innenminister de Maizière. Vielen Geflüchteten ist das unmöglich: Eine Reportage zu ihrer Lage in Deutschland.

Ein afghanischer Arzt im Trainingsanzug steht auf dem schmutzigen Boden einer provisorischen Registrierungsstelle für Asylbewerber in Baden-Württemberg. Er wedelt mit einem Flyer, auf dem Deutschkurse angekündigt werden. „Wieso nicht wir?“, will er wissen. Der Sprachkurs wird für Syrer, Iraker, Eritreer und Iraner angeboten – Afghanen und andere Nationalitäten finden auf dem Flyer jedoch keine Erwähnung. Diese Diskrepanz ist Ausdruck einer neuen Herangehensweise in der Bearbeitung der in Deutschland eingereichten Asylanträge. Einer Herangehensweise, die – zumindest in einem ersten Schritt – auf Nationalität basiert.

In diesem für Europa besonders chaotischen Jahr stellen Afghanen, nach Syrern, die zweitgrößte Gruppe an Migranten dar, die das Mittelmeer überqueren. Doch obwohl Kämpfe mit den Taliban und anderen bewaffneten Gruppen ihr Heimatland zerreißen, erwartet sie in Europa ein ganz anderes Willkommen. Statt Schnellverfahren für ihre Asylanträge und Integrationsversprechen werden sie als Wirtschaftsmigranten eingestuft und dazu aufgefordert, in Afghanistan zu bleiben.

Der auf einen Deutschkurs hoffende Arzt, ein Hals-Nasen-Ohren-Spezialist aus Kunduz, möchte anonym bleiben, aus Angst um seine Familie in Afghanistan. Er ist einer von 20.830 Afghanen, die in diesem Jahr in Deutschland Asylanträge gestellt haben. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum im letzten Jahr. Aber seine Aussichten auf Erfolg könnten schlechter sein als zuvor: Die Kämpfe in seinem Land konzentrieren sich auf einzelne Gebiete und schaffen es dieser Tage kaum noch in die Schlagzeilen. Die deutsche Regierung betrachtet Afghan/innen nicht auf Anhieb als Flüchtlinge, obwohl sie drei Jahrzehnte lang die größte Bevölkerungsgruppe unter UNHCR-Schutzmandat waren – bis sie letztes Jahr von den Syrern überholt wurden.

Als Antwort auf diesen Anstieg der in Deutschland Schutz suchenden Afghan/innen hat Bundeskanzlerin Merkel die Einrichtung von Schutzzonen in Afghanistan gefordert, um diese Menschen vor Ort zu schützen. Letzte Woche traf sie sich mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani und versprach, Afghan/innen – und andere, die ihrer Meinung nach lediglich bessere wirtschaftliche Bedingungen suchen – verstärkt abzuschieben.

Nur ein Viertel der Anträge bearbeitet

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz sagte Merkel, Deutschland werde weiterhin allen Afghan/innen Schutz bieten, die aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit ausländischen Truppen bedroht würden, „aber wenn Flüchtlinge nur wegen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft kommen – und ich weiß, dass das für viele eine große Hoffnung ist – gibt es keine Grundlage, ihnen hier einen Asylstatus oder eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen“, so Merkel.

Bis Oktober 2015 hatte Deutschland nur 1.361 Afghan/innen als Flüchtlinge anerkannt und nur ein Viertel ihrer Anträge bearbeitet. Weitere 853 erhielten subsidiären Schutz. Die Mehrheit jedoch sieht sich Monaten voller Ungewissheit gegenüber, die sehr wahrscheinlich mit einer Abschiebung enden werden.

Menschenrechtsorganisationen und Expert/innen für afghanische Migration sind besorgt, dass dies der Beginn eines Politikwandels sein könnte. Eines Politikwandels, der dazu führt, dass Asyl nach Nationalität gewährt wird und nicht nach einer Einzelfallprüfung, wie es das Völkerrecht vorschreibt. Das würde zu schlechteren Chancen für afghanische Asylsuchende führen – selbst für diejenigen, die tatsächlich verfolgt oder bedroht werden.

Angeliki Dimitriadi, Visiting Fellow am European Council on Foreign Relations in Berlin, erforscht seit 2009 afghanische Migrationsströme. Sie beobachtet einen Wandel in Europa, der begann, als die größte Flüchtlingskrise seit Ende des Zweiten Weltkrieges den Kontinent letztes Jahr in den Krisenmodus versetzte.

„Die Gefahr ist groß, dass wir uns auf ein Asylsystem zubewegen, in dem mit zweierlei Maß gemessen wird“, so Dimitriadi. „Und zwar eines, das auf Nationalität basiert statt auf einem individuellen Asylrecht.“ Sie fügt hinzu, dass die beispiellose Zahl an syrischen Neuankömmlingen die europäischen Staaten dazu gezwungen habe, auf einen niedrigeren Schutzstatus für Asylsuchende zu drängen um den Prozess zu beschleunigen.

„Sogar Deutschland, das über ein sehr gutes Asylsystem verfügte, unterscheidet im Moment nach Nationalitäten“, sagt Dimitriadi. „Dadurch erhalten Syrer gewissermaßen eine Vorzugsbehandlung; sie werden, wie überall in der EU, priorisiert, während andere Nationalitäten wie Afghanen schlechter eingestuft werden, weil oft davon ausgegangen wird, dass sie lediglich aus wirtschaftlichen Gründen auswandern.“

Mit zweierlei Maß

Die deutsche Regierung argumentiert außerdem, dass sich weniger afghanische Flüchtlinge Richtung Westen aufmachen sollten, weil dieser Geld und Truppen in Afghanistan investiert hat. Innenminister Thomas de Maizière sagte vor Kurzem auf einer Pressekonferenz: “Afghanistan hat große Summen an Entwicklungshilfe erhalten – also können wir erwarten, dass Afghanen in ihrem Land bleiben.“ Er empfahl der Mittelschicht zu Hause zu bleiben und daran zu arbeiten, ihr Land wieder aufzubauen.

Aber für die „Mittelschicht“ – wie zum Beispiel den HNO-Arzt, der Deutsch lernen möchte – ist das nicht so einfach. Er hat die Aussage des Innenministers auf Facebook gesehen und sagt: „Ich bin zwar Arzt, aber meine Frau ist in unserem Land nicht sicher. Wir sind gezwungen unser Land zu verlassen und nach Deutschland zu kommen.“

Bevor er im August 2015 floh, verdiente er nach eigenen Angaben 4.000 US-Dollar im Monat, in seiner eigenen Klinik in der Nähe von Kunduz – der gleichen Stadt, in der ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen im Oktober vom US-Militär bombardiert wurde. Der Arzt erzählt, dass die Taliban, die die Stadt im Oktober für kurze Zeit unter ihrer Kontrolle hatten, anfingen ihn zu bedrängen. Sie schickten ihm Briefe, in denen sie ihn aufforderten, sich dem Dschihad anzuschließen und 15 Motorräder an sie zu spenden. Hätte er sich geweigert, hätten ihn die Taliban wahrscheinlich getötet. Wäre er der Forderung nachgekommen, würde ihn die Regierung als Verräter ansehen. Neun Monate zuvor war sein Sohn entführt und erst für 50.000 US-Dollar Lösegeld wieder freigelassen worden. „Wenn es in unserem Land friedlich wäre, würden wir freiwillig gehen“, sagt er und bietet an, seine Schussverletzungen aus dem Jahr 2009 zu zeigen.

Wenzel Michalski, Direktor des deutschen Human Rights Watch-Büros, nennt den Kommentar des Innenministers „absurd“ und „reine Propaganda“ um die Menschen dazu zu bringen, zuhause zu bleiben. „Das ist Wunschdenken“, sagt er. „Entwicklungshilfe löst kurzfristig keine Probleme, das kann man nicht als Argument anbringen.“

Einstufung als „Wirtschaftsmigranten“

Andere Afghan/innen, die vor Stammeskämpfen fliehen, oder afghanische Flüchtlinge der zweiten Generation aus Iran oder Pakistan sehen sich bei ihren Asylanträgen sogar noch größeren Schwierigkeiten gegenüber. Sie werden zunehmend als „Wirtschaftsmigranten“ eingestuft. Laut Dimitriadi ist es jedoch wichtig, die jüngere afghanische Vergangenheit nicht aus den Augen zu verlieren, vor allem die sowjetische Invasion, die Herrschaft der Taliban und die Intervention westlicher Truppen. „Es gibt genügend Faktoren, die Flüchtlingsströme auslösen“, beharrt sie.

Für Afghan/innen, die im Moment Asyl suchen, sei es „sehr unklar, sie verstehen nicht: Warum teilen wir das nicht? Warum sind wir hier nicht willkommen? Warum sehen sie uns nicht als Flüchtlinge, wenn es doch offensichtlich ist, dass wir sehr instabile und untragbare Bedingungen zurücklassen?“

Obwohl es viele Monate dauern könnte, bis die deutsche Regierung den Rückstau an Anträgen abgearbeitet hat, verschwendet der Arzt keine Zeit damit, sich an seine – hoffentlich – neue Heimat anzupassen. Seine ersten Eindrücke von Deutschland waren positiv: Er erzählt von freundlichen Helfer/innen, der Achtung der Menschenrechte und individueller Freiheit. Obwohl er die Deutschkurse in der Erstaufnahmeeinrichtung nicht besuchen darf, hat er sich ein Sprachbuch gekauft. Die 52 Euro hat er aus eigener Tasche gezahlt und er hofft, dass seine Frau und sein Sohn zu ihm nach Deutschland kommen können.

„Wir haben sehr viel Glück … wir wissen die deutschen Behörden zu schätzen“, sagt er. Aber er plädiert für mehr Unterstützung für Asylsuchende, „vor allem für Afghanen.“

Dieser Artikel erschien zuerst am 9. Dezember 2015 bei Quartz. Er entstand mit Unterstützung des Transatlantic Media Fellowship Program. Übersetzung aus dem Englischen von Anna Fuchs.

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Jahresgruß 2015 von Zahra Hussain

Liebe Bamiyanfreunde,
das Jahr 2015 endet in wenigen Stunden. Deshalb ein kurzer Rückblick auf dieses Jahr und ein kurzer Ausblick auf das Jahr 2016.
Zuerst aber möchte ich mich bei allen Mitgliedern unseres kleinen Vereines für die Unterstützung unseres Anliegens, den Kindern in der Region Bamiyan Bildung zu ermöglichen, herzlich bedanken.
Besonders bedanken möchte ich mich für aufopferungsvolle Mitarbeit im vergangenen Jahr bei Herrn Joachim Zureich, Herrn Gerd Schindelmann, Herrn Hans Albert, Frau Marlene Trimbach und Frau Uschi Kriener, ohne die unsere Arbeit nicht möglich gewesen wäre.
Die größte Einzelspende erhielt unser Verein in diesem Jahr von der Grund- und Mittelschule in Eußenheim mit einem Betrag in Höhe 2.142,00 Euro. Dafür vielen Dank! Vielen Dank auch an die Schule Aschheim und Herrn Rudi Kleinhenz, die uns mit den von ihnen organisierten Spenden unterstützten und natürlich den vielen Einzelspendern, die uns mit kleineren und größeren Beträgen unterstützten. Auch die Gemeinde Oberpleicheld unterstützt unser Projekt langfristig mit einer jährlichen Spende in Höhe von 100,00 Euro.
Unserem Lehrer Ghjulam Sakhi, der wegen einer Kreberkrankung der Schilddrüse operiert werden musste, geht es inzwischen wieder gut und er unterrichtet wieder an unserer Schule. An dieser Stelle vielen Dank, auch im Namen von Herrn Sakhi, allen, die seine Behandlung mit einer Spende ermöglicht haben.
Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass auch Herr Pfarrer Roland Breitenbach, der unseren Verein in der Vergangenheit sehr unterstützte sich nach seinem schweren Fahrradunfall auf dem Wege der Besserung befindet.
Eine Unterstützung durch die deutsche Bundeswehr war in diesem Jahr nicht zu erreichen und wird voraussichtlich auch im kommenden Jahr nicht möglich sein, wie uns Herr Hauptmann Miller mitteilte, da die Hilfe der Bundeswehr zur Zeit in Deutschland in die Flüchtlingshilfe fließt.
Ich möchte Ihnen nun einen kurzen Überblick über die Aktivitäten des Vereins im vergangenen und einen Ausblick auf das kommende Jahr geben.
Wie Sie alle wissen, unterstützt unser Verein die von ihm erstellte Schule in Qula Quesch mit der Bezahlung zusätzlicher Lehrkräfte und einer Schulspeisung. Dies ist uns auch im Jahr 2015 gelungen.
Wegen der geplanten Erstellung einer Versorgung mit elektrischen Strom, sowohl unserer Schule als auch des Ortes Qula Quesch mittels Wasserkraft habe ich inzwischen Kontakte aufgenommen. Mit etwas Glück können wir dieses Projekt im Jahr 2016 in Angriff nehmen und evtl. sogar fertigstellen. Wegen einer Unterstützung dieses Projektes werden wir auch Kontakt mit der Aktion Sternstunden aufnehmen, die unser Projekt bereits einmal unterstützte.
Ich veranstaltete auch in diesem Jahr Lesungen aus meinem Buch „Das Erbe der Weisen“. Diese Veranstaltungen verband ich immer mit Werbung für unser Projekt und mir der Vorstellung unseres Vereines. Auch hierdurch bekam unser Verein viele Spenden.
Leider hat sich die Hoffnung auf eine wirtschaftliche, militärische, soziale und rechtliche Besserung der Situation in Afghanistan nach dem Ende der Ära Karzai nicht erfüllt. Vetternwirtschaft und Korruption prägen auch heute weite Teile Afghanistans und behindern eine positive Entwicklung.
In diesem Spätsommer gelang es den Taliban, die Stadt Kundus für einige Tage einzunehmen, bevor sie wieder vertrieben wurden. Hier einige Fakten, die bei uns nicht so bekannt sind.
Die Entsendung von Verstärkungen der afghanischen Armee in Kundus wurde von Aschraf Ghani untersagt, obwohl eine Offensive der Taliban und eine bevorstehender Angriff auf Kundus bekannt war. Die Truppen in Kundus waren kaum mit Treibstoff versorgt. Politische und militärische Verantwortliche hielten sich nicht in Kundus auf, als die Taliban kamen. Im Orient muss man sich mit vielen Verschwörungstheorien auseinandersetzen. Aber die, dass der Fall von Kundus absichtlich herbeigeführt wurde, ist allzu plausibel.
Diese Inszenierung kostete recht vielen Menschen das Leben. Aber man konnte der westlichen Öffentlichkeit eindringlich vor Augen führen, dass die Stationierung der relativ wenigen ausländischen Soldaten, die auch noch möglichst 2017 abgezogen werden sollten, nicht ausreiche. Dieses Abzugskonzept ging letztlich auf Präsident Obamas ersten Wahlkampf zurück. Obama hatte damals versprochen, die Soldaten bis Ende 2014 nach Hause zu holen. Zum Entsetzen der Militärs wollte er dieses Wahlversprechen einhalten. Unter dem Eindruck der Folgen des ebenfalls im Wahlkampf versprochenen schnellen Abzugs aus dem Irak, wurde dann eine bescheidene Stationierung über 2014 hinaus beschlossen, der sich auch andere NATO-Staaten anschlossen. Um aus diesem viel zu engen Korsett herauszukommen, waren die Ereignisse in Kundus nötig und hilfreich.
Afghanistan führte, vom Ausland gedrängt, „Friedensgespräche“ mit den Taliban und Pakistan. Was sollten diese Gespräche bringen? Das pakistanische Militär meint Afghanistan zu seinem Satelliten machen zu müssen, um für eine Auseinandersetzung mit Indien eine bessere Ausgangsposition zu haben. Für das pakistanische Militär und seinen Geheimdienst ISI ist dieses Ziel alternativlos. Pakistanische Regierungen – ob gewählt oder vom Militär eingesetzt – haben in dieser Frage kein Mitspracherecht. Der Geheimdienst ISI besitzt den Staat Pakistan. Afghanistan meint er auch besitzen zu müssen. Solange Afghanistan von Pakistan unabhängig ist, arbeitet der ISI daran, Afghanistan zu destabilisieren. „Friedensgespräche“ zwischen Afghanistan und Pakistan sind, wie der Fall von Kundus, Veranstaltungen für die westliche Öffentlichkeit. „Frieden“ kommt im Westen gut an. In Afghanistan und Pakistan macht man sich über solche Verhandlungen keine Illusionen.
Dies kurze Abschweifung nur, um die Situation in Aghanistan besser zu verstehen.
Trotz allem, die Menschen in Afghanistan sehnen sich nach einer besseren Zukunft für Ihr Land und Ihre Kinder. Nicht Resignation sondern Hoffnung bestimmen ihr Dasein. Mit unserer Hilfe versuchen wir, diese Hoffnung Wirklichkeit werden zu lassen.
An der Situation in der Region Bamiyan hat sich nicht viel geändert. Es ist ruhig, Anschläge gab es bisher keine. Die wirtschaftliche Situation der Menschen ist nach wie vor sehr schlecht, was auch an den unsicheren Zufahrtswegen über Land liegt. Dies bedeutet, dass unsere Schule wahrscheinlich noch eine lange Zeit unsere Unterstützung benötigt, zumal die Gelder aus Kabul nur spärlich fließen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass durch die Krise im nahen Osten und durch die dadurch hervorgerufene Flüchtlingskatastrophe viele Spenden in diese Richtung gehen werden. Dadurch wird das Spendenaufkommen für unser Projekt möglicherweise im kommenden Jahr geringer ausfallen, als im vergangenen Jahr. Dem können wir nur durch eine verstärkte Aktivität entgegenwirken. Ich möchte Sie deswegen alle bitten, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir unseren Verein und unser Projekt in Zukunft noch besser in der Öffentlichkeit bekannt machen können. Wir sind für alle Ideen aufgeschlossen.
Ich wünsche Ihnen ein gutes, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2016.

Zahra Hussain
1. Vorsitzende

Lesung und Vorstellung unseres Vereins in der Bücherei Binsbach

Lesung

Foto: Angelika Issing

Lesung

(ai) „Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, dann müssen wir bei den Kindern anfangen“, sagt Mahatma Gandhi. Eine Schule für Bamiyan war, neben der Lesung, das große Anliegen von Zahra Hussain. Sie las aus ihrem Buch „Das Erbe der Weisen, Eine Kindheit in Afghanistan“. Das Leben in Afghanistan wurde damit deutlich ins Pfarrhaus in Binsbach gebracht. Das Büchereiteam aus Binsbach organisierte die Lesung mit Zahra Hussain. Die Schriftstellerin sang mit ihrem Tamburin, erzählte von ihrem Leben als verfolgte Frau in Afghanistan und von ihrer Flucht nach Deutschland. „Wie gut haben wir es als Frauen in Deutschland, die wir in Freiheit leben können“, war die Meinung vieler Besucherinnen der Lesung.

Lesung in Retzstadt – Betroffene Zuhörer

Artikel in der Main-Post
 

Angst ist fehl am Platz

Gebürtige Afghanin Zahra Hussain las aus ihrem viel beachteten Buch „Das Erbe der Weisen“.

Zu einer ganz besonderen Autorenlesung hatte anlässlich des „Welttages des Buches“ am 23. April die katholische öffentliche Bücherei in Retzstadt am Freitagabend eingeladen. Zahra Hussain las aus ihrem Buch „Das Erbe der Weisen – eine Kindheit in Afghanistan“, in dem sie ihre eigenen Erlebnisse und die anderer Kinder beschreibt. 1999 war Hussain mit ihren drei Kindern nach Deutschland geflohen

„Ich wollte unbedingt schreiben und lesen können“, sagte Zahra Hussain in Retzstadt. Aber ihr Vater habe es ihr verboten, sodass sie es heimlich machen musste. Nur ein kleines Heftchen konnte sie bei der Flucht aus ihrem Heimatland mitnehmen.

Unter den über 40 Besuchern in der Bücherei machte sich große Betroffenheit breit, als Zahra Hussain ihren schweren Weg vom kleinen Mädchen bis zur jungen Frau in Afghanistan darstellte. Hussain berichtete, wie sie unter Geboten und Verboten der Erwachsenen heranwuchs und gegen ihren eigenen Willen verheiratet wurde. Und sie erklärte, warum sie es irgendwann nicht mehr aushielt und aus Afghanistan floh. „Man darf keine Angst haben, wenn man für die Rechte der Frauen kämpfen will“, sagte sie.

Das Büchereiteam mit der „Doppelspitze“ Karin Gerhard und Anni Hebig hatte nicht nur ein passendes Getränk und Knabbereien aus Afghanistan angeboten, während der Pause wurden auch typisch afghanische Leckereien aufgefahren. Über die Leiterin der Bücherei in Oberpleichfeld, wo Zahra Hussain wohnt, kam der Kontakt mit Retzstadt zustande. „Wir haben Frau Hussain in Oberpleichfeld gehört und sie dann ganz spontan nach Retzstadt eingeladen“, erklärte Karin Gerhard. Alle Spenden an diesem Abend gehen an den Verein „Eine Schule für Bamiyan“. Dieser sammelt Spenden zum Bau und Betrieb einer Schule in dieser afghanischen Provinz

Peter Pillich

  

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